Die Booster-Odyssee

An eine Booster-Impfung zu kommen, ist doch gar nicht so kompliziert… oder?

Geboostert werden, vor nicht mal einem Jahr wäre die Reaktion auf die Verkettung dieser zwei Wörter sicherlich sehr interessant gewesen. Heute weiß vom Schulkind bis zum Rentner fast jeder, was sich darunter vorzustellen ist und wie schwer es sein kann, einen „Booster“ zu bekommen.

Auch ich hatte die letzten zwei Wochen die erfreuliche Aufgabe, mich um einen Booster zu kümmern. Eigentlich würde man denken, dass es nach fast 2 Jahren Pandemie kein Problem sein kann, zeitnah einen Termin für eine Impfung mit einem der Impfstoffe zu erhalten. Leider weit gefehlt, über meinen Hausarzt und andere lokale Ärzte wäre der nächste verfügbare Termin Ende Januar / Anfang Februar zu bekommen gewesen. Sehr unpraktisch, wenn bereits Anfang Dezember die Grenze von sechs Monaten überschritten wird.

Über Umwege und mit einigem persönlichen Aufwand konnte ich mir dann allerdings eine Impfgelegenheit in einem „öffentlichen Impfzentrum“ der Handwerks- und Industrie- und Handelskammer sichern. Für viele schon ein Dealbreaker, denn ein niederschwelliges Impfangebot sieht so sicherlich nicht aus.

Trotz dieser Hürden und Dealbreak wurde man 15 Minuten vor offizieller Öffnung mit einer knapp 100 Meter langen Schlange von Impfwilligen begrüßt, die sich bei kühlen -1 Grad Celsius impfen lassen wollten. Sehr beachtlich, wie ich persönlich finde, der Impfwille besteht also auf jeden Fall schon.

Hat sich der Impfwillige über alle diese Hindernisse hinweggesetzt, wird er mit acht bis zehn Seiten Papierkram und einem Aufklärungsgespräch behelligt. Maßnahmen, die natürlich nicht zu einem erhöhten Impfdurchsatz führen. Positiv muss hier erwähnt werden, dass auf ausdrücklichem Wunsch auch von der Empfehlung der STIKO abgewichen werden konnte.

Nachdem alle Hürden und Dealbreaker überwunden sind, wird der Impfwille mit der Impfung „belohnt“. In Summe eineinhalb Stunden für einen 30-Sekunden-Pieks, eine ziemlich schlechte Leistung meiner Meinung nach. Nach fast zwei Jahren Pandemie sollte so etwas Triviales wie eine Impfung keine eineinhalb Stunden der Bürger kosten.

Es ist ein staatliches Versagen auf ganzer Linie und eine untragbare Situation.


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