Lernen aus Krisen – Die Geschichte der modernen Makroökonomie #3: Mischformen zwischen Keynesianismus und klassischer Makroökonomie entstehen

Wohlstand, Wachstum und Wirtschaftskrisen – die letzten 100 Jahre wurden so stark durch Konjunkturzyklen geprägt wie kein anderes Zeitalter zuvor. Wodurch lassen sich Konjunkturzyklen erklären? Kann man sie steuern und wenn ja, wie? Und was hat die Wissenschaft aus den Wirtschaftskrisen der letzten 100 Jahre gelernt? Meine vierteiligen Artikelserie „Lernen aus Krisen – die Geschichte der modernen Makroökonomie“ wird sich mit diesen Fragen und der Historie dem jungen wissenschaftlichen Feld der Makroökonomie beschäftigen.

Ab den späten 1980ern wurde die Makroökonomie besonders von drei Gruppen von Wirtschaftswissenschaftlern dominiert, die man folgendermaßen kategorisieren kann:

  • Neue klassische Makroökonomie (New Classical Economics)
  • Neukeynesianismus (New Keynesian Economics)
  • Endogene Wachstumstheorie (New Growth Theorists)

Neue klassische Makroökonomie (New Classical Economics)

Die Einführung rationaler Erwartungen war mehr als nur eine Kritik am Keynesianismus. Sie zeigte eine Erklärung wirtschaftlicher Schwankungen abseits keynesianischer Ideen auf. Die frühen neuen klassischen Makroökonomen waren zumeist Monetaristen.1 Allerdings entwickelte sich mit der Zeit eine eigene neue klassische Schule, die der Ansicht war, dass Geldpolitik nicht systematisch die Wirtschaft steuern könnte.2Insbesondere die Theorie realer Konjunkturzyklen (Real Business-Cycle Theory) wurden zum Inbegriff der neuen klassischen Makroökonomie. Diese Modelle ließen sogar die Geldpolitik vollständig außen vor.3

Robert E. Lucas argumentierte, dass die langsame Anpassung von Gehältern und Preisen eher zur Erklärung von Fluktuationen herhalten sollte anstatt die Imperfektionen des Arbeitsmarktes. Wirtschaftswissenschaftler sollten versuchen, alle Schwankungen über diesen Mechanismus zu erklären. Dieser Weg wurde von den Vertretern der neuen klassischen Ökonomie aufgegriffen, insbesondere von dem führenden Wirtschaftswissenschaftler dieser Richtung, Edward Prescott.

Edward C. Prescott
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Edward_C_Prescott_2015.jpg)

Der Ansatz dieser Modelle beruht auf zwei Kernelementen:

  • Lucas argumentierte, dass makroökonomische Modelle aus mikroökonomischen Strukturen heraus entwickelt werden sollten, um die Fehleranfälligkeit der Modelle der klassischen Ökonomie und des Keynesianismus zu vermeiden.Es wurde insbesondere argumentiert, dass die frühen makroökonomischen Modelle in der Ära vor Keynes zumeist diese Struktur aufwiesen und eine Rückbesinnung auf diese Art der Modelle gefordert. Die Mikroökonomie sollte also die Basis für die Makroökonomie liefern, sodass jegliche makroökonomische Strukturen auf mikroökonomischen Gedankengut aufbauen.1 In einem Zeitalter ohne die entsprechenden Computertechnologien mit ausreichender Rechenleistung war dies fast unmöglich zu bewältigen. Daher mussten die entsprechenden Modelle einfacher formuliert werden, sodass die mathematischen Kalkulationen dahinter lösbar waren. Als die Rechenleistung von Computern über die kommenden Jahrzehnte hinweg anwuchs, wurden immer komplexere mathematische Modelle möglich und die RBC-Theorie (Real Business Cycle Theory) konnte somit zu immer komplexeren makroökonomischen Rechenmodellen beitragen.4
  • Bis in die 1970er hinein wurden konjunkturelle Schwankungen als ein Zeichen für imperfekte Märkte gesehen, einer Abweichung der tatsächlichen Leistung einer Volkswirtschaft von der nur sehr gering veränderlichen potenziellenLeistung. Prescott argumentierte, dass konjunkturelle Schwankungen in Marktwirtschaften mit starkem Wettbewerb, flexiblen Preisen und Gehältern maßgeblich durch technologische Schocks wie Innovationenausgelöst würden.5 Seine Argumentationskette bestand daraus, dass eine neue Innovation zuerst die Produktivität einer Volkswirtschaft erhöht, wodurch die Wirtschaftsleistung steigt. Das Ansteigen der Wirtschaftsleistung führt zu einer Steigerung der Gehälter, was Arbeit für die Bevölkerung attraktiver macht, wodurch mehr gearbeitet wird.6 Die Erhöhung der Produktivität führt daher zu einer Erhöhung der Wirtschaftsleistung und der Beschäftigung, wie es auch in der realen Welt oft zu beobachten ist. Dementsprechend schlussfolgerte Prescott, dass wirtschaftliche Schwankungen ein eindeutig positives Merkmal von Volkswirtschaften sind. Wirtschaftspolitik sollte also nicht in konjunkturelle Schwankungen eingreifen und sie verringern, egal ob wir von positiven oder negativen konjunkturellen Schwankungen sprechen.789

Diese radikal neue Sichtweise zu konjunkturellen Schwankungen erfuhr viel Widerspruch. Technologischer Fortschritt wird heutzutage eher als Summe vieler Innovationen gesehen und bei jeder Innovation dauert es eine lange Zeit, bis sie überhaupt einen konjunkturellen Einfluss auf eine Volkswirtschaft hat. Es ist daher nur schwer zu sehen, wie solche Innovationen die kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen auslösen sollen, die in der Wirklichkeit oft zu beobachten sind. Zudem werden Rezessionen durch dieses Modell nur schwer erklärbar. Sie müssten Zeiten technologischen Rückschritts sein, da in Rezessionen die Wirtschaftsleistung und die Produktivität generell sinken. Außerdem gibt es eine starke wissenschaftliche Evidenz dafür, dassgeldpolitische Veränderungen, die in RBC-Modellen keinerlei Einfluss auf die Wirtschaft haben, in der Wirklichkeit beträchtliche konjunkturelle Schwankungen auslösen können.

Dennoch haben RBC-Modelle einen großen Wert, da sie eine rational basierte Erklärung für Schwankungen liefern. Abweichungen von der potenziell möglichen Wirtschaftsleistung konnten nun also nicht mehr nur durch Ineffizienzen im Markt (keynesianische Denkweise) erklärt werden, sondern auch auf das Entstehen von neuen Marktgleichgewichten durch den technologischen Fortschritt zurückgeführt werden. Abseits davon lieferte es eine Erklärung, warum die potenziell mögliche Wirtschaftsleistung stärker schwanken könnte als zuvor angenommen.4

Neukeynesianismus (New Keynesian Economics)

Der Begriff des Neukeynesianismus fasst eine ungenau definierte Gruppe von Wirtschaftswissenschaftlern zusammen, die glauben, dass die Synthese im Anschluss an die Einführung rationaler Erwartungen grundsätzlich korrekt sei. Allerdings vermuteten sie, dass es noch viele unerforschte Imperfektionen verschiedener Märkte gäbe und diese konjunkturelle Schwankungen erklären würden. Im Gegensatz zu der neuen klassischen Makroökonomie gingen Neukeynesianer davon aus, dassMärkte deutliche Ineffizienzen aufweisen und Angebot und Nachfrage nicht durch das Erreichen eines Marktgleichgewicht perfekt aufeinander abgestimmt werden. Dennoch wurden die Grundideen zu rationalen Erwartungen von Lucas in die Modelle mitaufgenommen.104

Ein wichtiger Punkt waren weitere wissenschaftliche Forschungsarbeiten zum Konzept der nominalen Starrheit (Nominal Rigidities).11 Wie im letzten Teil erklärt, zeigten bereits Fischer und Taylor412, dass durch die gestaffelte Anpassung von Gehältern und Preisen die Wirtschaftsleistung über eine längere Zeit von ihrem natürlichen Niveau abweichen kann. Daraus ergaben sich mehrere Fragen: Wenn die Staffelung der Entscheidungen dafür verantwortlich ist, warum synchronisieren Entscheidungsträger über Gehälter und Preise nicht ihre Entscheidungen? Warum werden Gehälter und Preise dann nicht viel öfter angepasst? Warum werden nicht alle Preise und Gehälter an einem bestimmten Tag gleichzeitig geändert? Aus diesen Fragen heraus entwickelten George A. Akerlof, Janet Yellen und – der dem BWL-Erstsemester über ein sehr beliebtes Lehrbuch bekannte – N. Gregory Mankiw eine durchaus überraschende Erklärung: Preisanpassungskosten (Menu Cost).

Jede Person, die maßgeblich daran beteiligt ist, Preise oder Gehälter festzusetzen, ist größtenteils indifferent bezüglich des Zeitpunktes und der Häufigkeit. So kann beispielsweise der Betreiber eines kleinen Buchladens nur sehr geringfügig seinen Gewinn steigern, wenn er täglich statt wöchentlich die Preise ändert. Da also auf der einen Seite nur ein geringer monetärer Einfluss auf den Gewinn steht, wird der monetäre Faktor auf der anderen Seite bedeutender: die Kosten der Preisänderung. Der Buchhändler muss zum Beispiel neue Preisschilder drucken lassen, was Materialkosten impliziert, seine Angestellten müssen ihre wertvollen Arbeitsstunden darin investieren und er selbst muss täglich Arbeitszeit investieren, um den optimalen Preis für den Tag zu bestimmen. Dies verursacht Kosten, die wesentlich höher sind als die zusätzlichen Einnahmen, die er durch tagesaktuelle Preise einfahren könnte. Dementsprechend wäre eine tägliche Preisanpassung sogar gewinnminimierend – folglich geschieht sie erst gar nicht.

Diese Einzelentscheidungen, wann und wie oft Gehälter und Preise angepasst werden, sind auf der individuellen Ebene relativ unbedeutend. In ihrer Summe können diese Entscheidungen für die Volkswirtschaft als Gesamtheit jedoch bedeutende Implikationen haben. Da man sich bildlich vorstellen kann, dass Gehälter und Preise an gewissen Punkten kleben bleiben, nennt man diese Phänomene auch Price-Stickiness beziehungsweise Wage-Stickiness.

Ein anderer Teil der Forschung im Bereich des Neukeynesianismus fokussierte sich auf Imperfektionen auf dem Arbeitsmarkt. Akerlof forschte über die Rolle von Normen von Organisationen wie Unternehmen, also Regeln, die sich im Umfeld eines Unternehmens darüber entwickeln, was als fair und was als unfair wahrgenommen wird. Diese Forschungsansätze führten zu einem großen Interesse der Wirtschaftswissenschaften an Feldern, die zuvor der Soziologie oder Psychologie überlassen worden waren. Es stellte sich die Frage, wie stark Phänomene aus diesen Bereichen Einfluss auf makroökonomische Zusammenhänge haben.

George Akerlof
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:George_Akerlof)

Peter A. Diamond, Dale T. Mortensen und Christopher Pissarides betrachteten den Arbeitsmarkt aus einer anderen Richtung und sahen in ihm einen Markt mit stetiger Reallokation, großen Schwankungen und Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern (oder Gewerkschaften als Zusammenschlüssen dieser) und Unternehmern. Diese Betrachtungsweise erwies sich als sehr hilfreich für weitere Forschungsaktivitäten.8

Peter Diamond
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peter_Diamond_3.jpg)
Dale Mortensen
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dale_Mortensen_2.jpg)
Christopher Pissarides
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Christopher_Pissarides.jpg)

Ein dritter Aspekt der Forschung im Bereich des Neukeynesianismus fand besonders in der Wirtschaftskrise ab 2008 Anwendung: die Rolle von Imperfektionen in Kredit- und Finanzmärkten. Die meisten makroökonomischen Modelle nahmen an, dassgeldpolitische Mechanismen primär durch Zinssätze gesteuert würden und dass Unternehmen sich so viel Geld leihen würden, wie sie bei dem aktuellen Zinssatz auf dem Markt möchten.

In der Realität ist der Markt deutlich eingeschränkter. Die meisten Unternehmen können sich lediglich Geld von Banken leihen. Da Banken mögliche Kreditanträge ablehnen können, obwohl die Unternehmen den aktuellen Zinssatz bezahlen möchten, sind die Zusammenhänge deutlich detaillierter. Warum genau Banken mögliche Kreditanträge ablehnen und wie dies mögliche Konzepte der Geldpolitik ändert, war zum Beispiel Forschungsgegenstand von Ben Bernanke und Mark Gertler.

Endogene Wachstumstheorie (New Growth Theorists)

Nachdem Wachstumstheorien in den 1960ern ein sehr beliebter Forschungsgegenstand waren, rückten sie in den Jahren danach in den Hintergrund. In den späten 1980ern kamen sie allerdings unter dem Namen der endogenen Wachstumstheorie in den Fokus zurück.1

Besonders zwei Ökonomen leisteten hier wichtige Arbeit: Robert Lucas und Paul Romer. Lucas hatte bereits die Theorie der rationalen Erwartungen entwickelt, mit der wir uns im zweiten Teil beschäftigt haben.1314

Paul Romer
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Paul_Romer_EM1B6039_(46234134401).jpg)

Als Wachstumstheorien Ende der 1960er als Forschungsgegenstand aus der Mode gekommen waren, blieben zwei zentrale, größtenteils ungelöste Thematiken zurück:

  • Skalenerträge (die Frage, ob doppelter Kapitaleinsatz und doppelter Arbeitseinsatz zusammengenommen die Produktionsleistung mehr als verdoppeln können)
  • Die bestimmenden Faktoren für technologischen Fortschritt

Diese beiden thematischen Felder wurden zum Hauptfokus endogener Wachstumstheorien.

Philippe Aghion und Peter Howitt entwickelten ein Konzept, welches an das Werk von Joseph Schumpeter in den 1930ern anknüpfte: Die Idee, dass Wachstum einen Prozess der kreativen Zerstörung darstellt, in dem ständig neue Produkte eingeführt werden, wodurch alte Produkte vom Markt verschwinden. Institutionen – beispielsweise die in dieser Hinsicht mächtigste Institution, der Staat – können wirtschaftliches Wachstum verhindern, in dem sie durch zu starke Regulatorik, zu unflexible Arbeitsmärkte oder sogar ganze Verzerrungen des unternehmerischen Wettbewerbs die Rate des technologischen Fortschritts senken und somit das Wirtschaftswachstum verringern oder sogar abwürgen. Hier sei zum Beispiel erwähnt, dass zu solchen wachstums- und wohlstandshemmenden Maßnahmen auch die Politik der Bundesregierungen unter Angela Merkel mit dem Gewähren von massiver Staatshilfen und Staatsbeteiligungen für spezielle Großunternehmen zählt.

Die Forschung im Bereich der endogenen Wachstumstheorien versuchte auch, die genaue Rolle von Institutionen und ihren Einfluss auf wirtschaftliches Wachstum und technologischen Fortschritt zu erkunden. Andrei Shleifer konzentrierte sich auf die Rolle verschiedener Rechtssysteme und ihren Einfluss auf die Organisation der jeweiligen Volkswirtschaften, die Finanzmärkte, Arbeitsmärkte und – in der Gesamtperspektive dieser Betrachtungen – den Einfluss von Rechtssystemen auf das Wirtschaftswachstum eines Landes. Daron Acemoglu untersuchte Korrelationen zwischen Institutionen und Wachstum, beispielsweise warum demokratische Länder im Durchschnitt die klar reicheren Länder der Welt sind und welchen kausalen Zusammenhang es zwischen (staatlichen) Institutionen und Wirtschaftswachstum gibt. Eine zentrale Frage, die sich dabei stellt: Führt Demokratie zu einer höheren Wirtschaftsleistung pro Person oder führt eine hohe Wirtschaftsleistung pro Person zu Demokratie? Acemoglu legte dabei einen besonderen Fokus auf frühere Kolonien und ihre wirtschaftliche Entwicklung über die Zeit. Er argumentierte, dass die Wachstumschancen früherer Kolonien maßgeblich durch die Institutionen bestimmt wurden, diedie früheren Kolonialherren installiert hatten. Dies deutet darauf hin, dass Institutionen die spätere wirtschaftliche Entwicklung kausal beeinflussen – und eher weniger umgekehrt die wirtschaftliche Entwicklung die Institutionen.

Andrei Shleifer
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Andrei_Shleifer.jpg)
Daron Acemoglu
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Acemoglu_2016.png)

Integration der verschiedenen makroökonomischen Perspektiven

In den 1980ern und 1990ern führten die unterschiedlichen Ansichten in einigen Themenbereichen zu teils hitzigen Diskussionen, insbesondere zwischen Ökonomen der neuen klassischen Makroökonomie und des Neukeynesianismus. Neukeynesianer warfen den Wissenschaftlern der neuen klassischen Makroökonomie oft vor, sich auf unlogische Erklärungen konjunktureller Schwankungen zu verlassen. Umgekehrt störten sich Vertreter der neuen klassischen Makroökonomie an den oft improvisiert wirkenden Strukturen der Modelle von Neukeynesianern.

Zur Jahrtausendwende hin entwickelte sich allerdings mehr und mehr eine Synthese beider Richtungen, die insbesondere in den 2000ern den makroökonomischen Diskurs maßgeblich bestimmte.15 Methodisch gesehen baute diese auf den RBC-Modellen der neuen klassischen Makroökonomie und der mikroökonomischen, unternehmensbezogenen Perspektive dieser Modelle auf einzelne Optimierungsprobleme von Personen und Unternehmen auf. Konzeptionell wurde die Relevanz der RBC-Modelle und der endogenen Wachstumstheorie gesehen, insbesondere bei der Betrachtung der Geschwindigkeit technologischen Fortschritts. Allerdings fanden auch viele Modelle für Imperfektionen der Märkte aus dem Spektrum der Neukeynesianer Beachtung in den Konzepten der Synthese. Auch wenn es kein singuläres Modell oder eine klare Festlegung gab, welche Modelle zu Imperfektionen weithin akzeptiert wurden, so gab es doch ein Grundverständnis über die weitere Richtung für die Forschung im Bereich der Makroökonomie.

Gute Beispiele für Modelle, die aus einer Synthese verschiedener Ideen entstanden, sind die Arbeiten von Michael Woodford und Jordi Gali, die ein Modell entwickelten, das auch als das Neukeynesianische Modell bekannt ist. In diesem Modell sind viele Elemente der damaligen Zeit integriert: Nutzen- und Profitmaximierungskonzepte, rationale Erwartungen und Überlegungen zur nominalen Starrheit. Insbesondere die Einflüsse auf die Geldpolitik waren sehr groß, beispielsweise in der Festlegung von Inflationszielen oder der Schaffung von Regeln für Zinssätze.

Aus diesem recht einfachen Modell heraus wurden größere, komplexere Modelle entwickelt, die auf der dieser einfachen Struktur aufbauen, aber die Integration von weiteren Imperfektionen der Märkte ermöglichten. Diese Modelle gehören heutzutage zum standardmäßigen Werkzeugkasten in Zentralbanken und sind auch als Dynamic Stochastic General Equilibrium Models (DSGE) bekannt.

Aus einer Krise der Wirtschaftswissenschaften, in der keynesianische Modelle in den 1970ern beim Lösen realer Probleme scheiterten, entwickelte sich die Makroökonomie letztendlich durch das Konzept der rationalen Erwartungen weiter. So konnte auf die Krisen der 1970ern geantwortet und die Makroökonomie weiterentwickelt werden. Im Folgenden wurde auf diesem Grundsatz weiter aufgebaut und in den 1980ern und 1990ern in verschiedenen Richtungen unterschiedliche Modelle und Konzepte entwickelt. Ein Prozess, der in einer weiteren Synthese der Ideen in den 2000ern endete, der viele Wirtschaftswissenschaftler – zumindest größtenteils – zustimmten. Doch wie die Geschichte der Makroökonomie uns bereits gelehrt hat, war dies nur die Zeit, in der eine weitere Krise die Zukunft dieser Wissenschaft prägen würde: die große Finanzkrise von 2008.


Dazu mehr im vierten Teil der Serie „Lernen aus Krisen – die Geschichte der modernen Makroökonomie“.

  1. Snowdon, Brian; Vane, Howard (2005). Modern Macroeconomics. Cheltenham, UK: Edward Elgar.[][][]
  2. Froyen, Richard (1990). Macroeconomics, Theories and Policies (3rd ed.). New York: Macmillan[]
  3. Fischer, Stanley (2008). “New classical macroeconomics”. In Durlauf, Steven N.; Blume, Lawrence E. (eds.). The New Palgrave Dictionary of Economics. Palgrave Macmillan. pp. 17–22.[]
  4. Mankiw, N. Gregory (2006). “The Macroeconomist as Scientist and Engineer”. Journal of Economic Perspectives20 (4): 29–46.[][][][]
  5. Snowdon, Brian; Vane, Howard (2005). Modern Macroeconomics. Cheltenham, UK: Edward Elgar[]
  6. Mankiw, N. Gregory (December 1990). “A Quick Refresher Course in Macroeconomics”. Journal of Economic Literature28 (4): 1645–1660.[]
  7. Mark, Nelson (2001). International macroeconomics and finance : theory and econometric methods. Malden, MA: Blackwell Publishers.[]
  8. Romer, David (2005). Advanced Macroeconomics. New York: McGraw-Hill.[][]
  9. Christiano, Lawrence J.; Fitzgerald, Terry J. (2001). “The Business Cycle: Still a Puzzle”. In Rabin, Jack; Stevens, Glenn L. (eds.). Handbook of Monetary Policy.[]
  10. Romer, David (1993). “The New Keynesian Synthesis”The Journal of Economic Perspectives7 (1): 5–22.[]
  11. Mankiw, N. Gregory (December 1990). “A Quick Refresher Course in Macroeconomics”Journal of Economic Literature28 (4): 1645–1660.[]
  12. Mankiw, N. Gregory; Romer, David (1991). New Keynesian economics1. Cambridge, Mass: MIT Press.[]
  13. Romer, Paul M. (October 1990). “Endogenous Technological Change” (PDF). Journal of Political Economy98 (5): S71–S102.[]
  14. Romer, Paul M. (October 1986). “Increasing Returns and Long-Run Growth”(PDF). Journal of Political Economy94 (5): 1002–1037.[]
  15. Goodfriend, MarvinKing, Robert G. (1997). “The New Neoclassical Synthesis and the Role of Monetary Policy”NBER Macroeconomics Annual12: 231–283.[]

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