Die Ever Given im Suezkanal und die Globalisierung

Die sechstägige Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff Ever Given Ende März 2021 hat den Fokus der weltweiten Presse auf ein Thema gelenkt, dem oft wenig Beachtung geschenkt wird – die Komplexität der globalen Lieferketten in der heutigen Welt.

Durch die weltweite Bewegung der Globalisierung, die das marktwirtschaftliche Prinzip der Arbeitsteilung nicht mehr nur lokal, sondern global interpretiert, sind oftmals an dem Weg von der Herstellung bis zum Verkauf eines Produktes zehn oder mehr verschiedene Unternehmen in genau so vielen Ländern beteiligt.

Hierbei wird natürlich ein anderer Faktor immer wichtiger: ein weltweites Transportsystem. Der Warenverkehr via Luftfahrt oder Straßenverkehr ist sehr teuer, ineffizient und deutlich unbedeutender als der weltweite Schiffsverkehr, für den gerade der Suezkanal eine der wichtigsten Transportrouten darstellt. Konkret verbindet er Europa mit Asien und deckt 30% des weltweiten Containervolumens ab.

Diese Transportrouten sind umso störungsanfälliger geworden, als Unternehmen im Rahmen des Lean Management Ende des vergangenen Jahrhunderts zu einer kundenorientierteren Produktion wechselten und seither viel weniger Endprodukte auf Halde produzieren. Hatten Automobilhersteller in den 1970ern noch ganze Parkplätze voller fertiger Autos, die nur darauf warteten, verkauft zu werden, sind heute die Kapazitäten deutlich knapper. Dieser Wandel im Produktionsmanagement hat zu einer viel höheren wirtschaftlichen Effizienz geführt und machte ein hohes Maß an Kundenorientierung möglich, die früher undenkbar war.

Allerdings erhöhen diese beiden Dinge auch die Anfälligkeit des gesamten Systems, falls es zu einer Blockade wichtiger Transportwege kommt. Im Jahr 2020 erlebten wir dies bereits durch die Corona-Krise, nun durch die sechstägige Blockade des Suezkanals.

Unternehmen werden ein vernünftiges Risikomanagement bezüglich ihres Supply-Chain-Managements betreiben und eventuell auch über Alternativen zu den bestehenden Transportwegen nachdenken müssen.

Staaten müssen darüber nachdenken, dass sie im Worst Case nicht auf ausländische Produkte angewiesen sind. Zum Teil sieht man dies bereits heute durch protektionistische Import-Hürden und Agrarsubventionen in der EU, um die heimische Landwirtschaft zu konservieren.

Letztendlich haben die weltweite Arbeitsteilung, freier Handel und die Globalisierung an sich die Welt insgesamt reicher gemacht und mehr Ländern zu mehr Wohlstand verholfen. Sie haben uns aber auch abhängiger voneinander gemacht. Die Blockade des Suezkanals hat dies wieder einmal verdeutlicht.


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