Get Freihandel or die tryin’

Ich bestelle gerne Dinge im Internet. Meistens ist das kein Problem, aber vor vier Wochen habe ich einen großen Fehler gemacht. Ich habe in Großbritannien IT-Hardware gekauft bei einem auf Refurbishment spezialisierten Unternehmen gekauft, bei dem ich in den letzten Jahren einiges an Equipment erworben habe. Jedes Mal ohne Probleme, Ware gegen Geld, genau so, wie man sich das vorstellt. Was ich in meinem jugendlichen Leichtsinn nicht bedacht habe: Seit meiner letzten Bestellung 2019 hat sich hinsichtlich der Beziehungen zwischen UK und der EU nicht nur einiges, sondern quasi alles geändert. Dieser Fehler sollte sich als folgenreich herausstellen, denn aus den gewohnten 3-7 Tagen Lieferzeit wurden 5 Wochen, E-Mails mit dem Versanddienstleister und dem Verkäufer inklusive.

Was war passiert? Seit dem Brexit und dem fehlenden Freihandelsabkommen zwischen UK und der EU ist es gar nicht mehr so einfach, Waren einfach einmal so zwischen UK und der EU auszutauschen. Inzwischen sind nämlich komplexe Zollvorschriften, Besteuerungen usw. bei der Einfuhr von Waren zu beachten. An genau diesen Formalitäten ist mein Einkauf in UK dann auch gescheitert. Das Versandunternehmen forderte von mir eine Zollidentifikationsnummer, da sie ansonsten die Ware nicht an mich versenden können. Diese Nummer lässt sich bei der Zollbehörde beantragen (sogar digital!), allerdings nur für Unternehmen. Fazit: Ich habe meine gebrauchte Hardware leider nicht erwerben können, die Versandgebühren sind verloren und ich werde die Hardware wohl neu kaufen müssen.

Im Zuge dieses ganzen Schlamassels habe ich einige sehr interessante E-Mails mit dem Verkäufer aus UK ausgetauscht. Unter anderem wurde mir erklärt, dass sie aufgrund der Zollrichtlinien, der Bürokratie und anhaltender Problemen beim Versand einen so signifikanten Einbruch der europäischen Umsätze verzeichnen mussten, dass sie jetzt aktiv eine Niederlassung in der EU eröffnen, um von dort Bestellungen abwickeln zu können.

Der Overhead, der durch Zölle, Doppelstrukturen und eine höhere Kapitalbindung entsteht, wird selbstverständlich dazu führen, dass die Produkte teurer werden müssen. Wir Verbraucher müssen für den Overhead aufkommen.

Die Lösung für das Problem: Freihandel. Die Schaffung von Freihandelszonen muss auch zukünftig eine hohe Priorität für Deutschland und die EU haben. Als Exportnation sind wir darauf angewiesen, dass unsere Produkte einfach, schnell und ohne großen Overhead überall auf der Welt gekauft werden können, und wir sind darauf angewiesen, die notwendigen Rohstoffe, Vorprodukte und Know-How weltweit einkaufen zu können. Wir leben in einer globalisierten, arbeitsteiligen Welt, die durch den freien Austausch von Waren, Kapital und Arbeitskraft so viel Wohlstand wie noch nie geschaffen hat.


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Redakteur | Co-Founder