Was Parteipolitik für Frauen unattraktiv macht

Welche Hürden sich im politischen Engagement für Frauen auftun und wie man sie als Partei überwinden kann. Wenn man es will.

Die deutsche Gen Z ist geprägt von einer starken Frau als Kanzlerin. Man könnte daher vermuten, dass Frauen in der Politik angekommen sind, wenn man sieht, dass eine Frau das Land führt. Betrachtet man jedoch, dass nur 31 Prozent der Abgeordneten im Deutschen Bundestag weiblich sind, trügt der Schein.

Parteipolitik hat jedoch viele Baustellen, die das Engagement von Frauen eher verhindern als fördern.

Hemmschwelle Stammtisch

Das vermutlich häufigste Problem mit dem Engagement von Frauen liegt im persönlichen Erstkontakt mit der Partei. Das ist meist ein Stammtisch. Allein das Wort “Stammtisch” spült schon Bilder von quarzenden, älteren Herren, die Bier trinken, in den Kopf; keine Atmosphäre, die zur Teilnahme einlädt. Meist ist genau das – oder zumindest so ähnlich – die Realität. Eine Runde aus mehrheitlich, wenn nicht sogar ganzheitlich, Männern. Das kann abschrecken.

Erste Debatten, die man dort führt, haben auch oft dasselbe Problem wie jene auf größeren Veranstaltungen: Sie sind männlich dominiert. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass männlichen Parteikollegen häufig die Fähigkeit fehlt, ihr Gegenüber aussprechen zu lassen oder sie überhaupt ernst zu nehmen und nicht auf ihr Geschlecht zu reduzieren.

Allein allein

Wenn man sich vor dem Parteieintritt medial mit der FDP auseinandersetzt, wird eines deutlich: It’s male time, people! Zwar gibt in der FDP auch “Women support women”, und das ist gut so. Darüber hinaus muss es in der Partei aber auch mehr Frauen in höheren Ämtern geben, die als Vorbild für junge Neumitglieder oder Interessierte dienen. Ohne sie fehlt gewissermaßen die Vorbildfunktion für junge Neumitglieder eben auch dahin zu kommen. Klar, es ist super, wenn es männliche Parteikollegen gibt, die junge Frauen unterstützen und pushen, aber es ist immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Ohne Frauen, die repräsentativ für die Partei stehen, schafft man keine überzeugende Identifikation für weibliche Mitglieder.

Natürlich kann man sagen: „Wenn Frau es nur will und sich anstrengt, macht sie das schon“. Nur weist man auf diese Art – so liberal der Gedanke auch ist – jegliche Verantwortung im Hinblick auf den geringen Frauenanteil in den eigenen Reihen von sich. 

Eine Quote als Lösung?

Trotz allem glaube ich nicht, dass eine Quote die Partei attraktiver macht. Attraktiv für Frauen wird sie durch Frauen, die die Partei repräsentieren, und ein Wahlprogramm, das mehr Prioritäten setzt als Steuern, Wirtschaft und Finanzen. Wenn ich kandidiere, will ich aufgrund von Kompetenz und nicht aufgrund meines Geschlechts gewählt werden.

Eine Partei ohne Quote funktioniert aber auch nur dann, wenn wirklich alle echte Gleichberechtigung wollen. Als Frau musst du dich darauf verlassen können, dass Leistung wirklich zählt. Das geht nur, wenn auch Männer ihre Kreise aufbrechen und Machtpositionen anders und gerechter besetzt werden. Keine politisch engagierte Frau sollte von der Gunst männlicher Kollegen abhängig sein.

Man sollte nur endlich den Ernst der Lage begreifen und ehrliche Frauenförderung in den Parteien betreiben, anstatt zu meinen, es sei kein Problem oder regele sich von selbst. Als Partei wird man so wahrgenommen, wie man sich medial präsentiert. Daher wäre in der öffentlichen Wahrnehmung ein „von Frauen für Frauen“ vermutlich förderlicher. Natürlich wäre es kaum sinnvoll, öffentlich zu propagieren, was für gute Frauenförderung man innerparteilich ausübt, wenn es in Wahrheit gar nicht der Fall ist. Wenn man innerparteiliche Frauenförderung ehrlich betreibt, führt das zudem selbst zu einer besseren Außenwahrnehmung.

Aufgabe einer Partei, wie der FDP, sollte es daher sein, die Frauenförderung ernst zu nehmen und systematisch die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, um ein höheres Attraktivitätslevel für Frauen zu erreichen. Inhaltliche Vielfalt braucht auch repräsentative Vielfalt.

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Redakteurin | Co-Founder